Interview

Interview mit Kristiane Kupfer



Dein Actors Studio ist ja schon vor einigen Jahren entstanden. Was war der Anlass, das Studio zu gründen?


In mir hatte sich allmählich das Bedürfnis entwickelt, aus dem, was ich im Beruf und aus den eigenen Fehlern gelernt habe, etwas Sinnvolles zu machen. Etwas Sinnvolles, das nicht nur mit mir zu tun hat. Und schnell hab ich gemerkt, dass sich viele Schauspieler mit Problemen rumschlagen, für die sie eine Lösung suchen: "Wie kann ich mich schnell auf meine Rolle vorbereiten? Mein Demoband und meine Fotos sind unmöglich! Ich habe die Castingtexte zu spät bekommen, wie soll ich das schaffen?". Hilferufe, bei denen ich überlegt habe, wie kann ich als Außenstehender mit einer Draufsicht Schauspielern helfen, mit den alltäglichen Anforderungen wie schnelle Vorbereitung auf Castings und Drehbücher fertig zu werden. Und natürlich auch mit dem Rausholen von Macken, Ängsten und Unsicherheiten. Und so ist das nach und nach entstanden.

Du hast deine Schauspielausbildung an der "Ernst-Busch" gemacht. Wie siehst Du heute die Herausforderungen für junge Schauspieler, die bei Film und Fernsehen arbeiten wollen? Was hat sich im Vergleich zu Deiner aktiven Zeit verändert?

Das war wirklich eine andere Welt damals. Uns wurde erzählt, Theater ist Kunst, Fernsehen ist Scheiße, Film meistens auch, und gedreht wird nur zum Geld verdienen. Und in den politischen Gegebenheit der DDR war das ja auch nicht ganz falsch. Es wurde viel langsamer gearbeitet, man hatte ewig Zeit, etwas vorzubereiten. Uns wurde erzählt, man braucht sechs Wochen, um sich in eine Rolle einzufühlen. Aber das geht tausend mal schneller. Alle Schauspieler, die damals gedreht haben, hatten eine Schauspielausbildung, was damals quasi unabdingbar war. Heutzutage ist es so, dass viele junge Schauspieler, die sehr, sehr gut sind, nicht auf eine Schauspielschule gehen müssen, weil sie sich privat weiterbilden, mit Coaches arbeiten oder nach Amerika gehen. Parallel machen viele etwas anderes, studieren Medizin, Medienwissenschaften. Viele junge Leute wissen, dass man von dem Beruf nicht unbedingt ein Leben lang leben kann. ... Ich dagegen saß damals nach dem Studium erst einmal unglücklich in Görlitz und Zittau und habe mich gewundert, warum ich für diesen Aufenthalt in der Provinz jahrelang studiert habe. Also, die Schauspielerei heute hat einfach viel mehr mit dem normalen Leben zu tun und nicht mit der Einstellung "Kunst ist das Größte, auch wenn ich dafür verhungere“. Außerdem ist in den letzten Jahren in der gesamten Branche der Respekt vor dem Können und den Erfolgen einer talentierten jungen Schauspielergeneration spürbar gewachsen – eine Entwicklung, die ich mit Freude registriere.

Bist Du denn der Meinung, dass eine staatliche Ausbildung in Bereichen oder Teilbereichen trotzdem sinnvoll ist?


Kommt darauf an, was man will. Will ich zum Theater, und da gibt es Talente, die wahnsinnig begabt dafür sind, die müssen das machen. Shakespeare spricht sich nicht wie ein Polizeiruf oder ein Tatort. Das geht nicht. Da muss man den Unterschied zwischen Alexandrinern und anderen Versformen nicht nur kennen, man muss damit umgehen können. Und das muss man lernen. Auf der Bühne musst Du den großen Raum füllen. Wenn ich drehe, muss ich möglichst normal sein, muss ich vor der Kamera die Lautstärke und die Intensität haben, die in einem Bus, einer Kneipe oder in einer Badewanne natürlich wirken. Also, alle, die zum Theater wollen, sollten eine Ausbildung an einer staatlichen Schauspielschule machen, da stimmt in der Regel die Professionalität, und alle, die ausschließlich drehen wollen, sollten sich privat weiterbilden. Die Anzahl der mit deutschen Film- und Fernsehpreisen ausgezeichneten Schauspieler, die nie eine staatliche Schauspielschule besucht oder gar abgeschlossen haben, wächst von Jahr zu Jahr ganz erheblich. Und manche jungen Schauspieler sind einfach nicht kompatibel mit den Hierarchien von Schulen.


Das heißt also, dass Du den Leuten, die im Film- und Fernsehbereich arbeiten wollen, eine private Ausbildung eher empfehlen würdest als eine staatliche?


Es gibt in Deutschland die HFF, die film- und fernsehorientiert arbeitet. Und ich weiß von keinem meiner Dozenten damals an der "Ernst Busch", dass er sich sonderlich für das Lesen und Umsetzen von Drehbüchern interessiert hätte. Bei einer Entscheidung über eine private Ausbildungseinrichtung empfehle ich, nicht auf den beeindruckenden Fachjargon auf der jeweiligen Homepage zu schauen, sondern darauf, welche Entwicklung ihre bisherigen Absolventen genommen haben. Machen sie sich einen Namen oder verschwinden sie in der Versenkung.

 

Weil Du gerade gesagt hast, dass Du Deine Ausbildung damals nicht mochtest: Wie unterscheidet sich das, was Du mit den Leuten machst, also Dein Coaching, von dem, was Du damals gelernt und auch vermittelt bekommen hast?


Ich bin damals unheimlich blauäugig reingegangen, Ich hab alles geglaubt, was die mir erzählt haben. Und dass wir, wie ich gesagt habe, „zerstört und wieder neu aufgebaut“ wurden, ist leider so gewesen. Vielen meiner Kommilitonen hat das weit weniger ausgemacht als mir. Aber ich bin da fröhlich rein und nach einem halben Jahr jeden Abend heulend raus. Mir wurde erzählt, dass ich keine Phantasie habe, dass ich Scheiße sei und nichts kann. Das hat mir meine Phantasie erstmal in Ketten gelegt. Man hatte zusätzlich diese riesige Ehrfurcht, dass man das eh alles nicht kann und nie erreichen wird und dass man ein Leben lang daran arbeiten muss. Bei uns ist es so, da kommen talentierte Menschen rein, bei denen man schon mal merkt, dass sie vielleicht die eine oder andere Macke haben oder zu schnell sprechen oder nuscheln. Aber wenn ich merke, da will jemand, hat Phantasie und ist bereit zu arbeiten, dann sind solches Sachen reparabel. Ich arbeite sehr positiv, aber durchaus knallhart. Meine Kritiken klingen immer wie „das sieht aus, als wenn ein Elch kotzt“ oder so in etwa. Aber ich versuche nicht, an dem Menschen rumzubasteln, und ich versuche nicht, Persönlichkeiten zu zerstören oder nach meinem Bild zu formen. Jeder junge und jeder alte Mensch hat seine Persönlichkeit, und die muss maximal mobilisiert werden. Jeder normale Mensch hat Freude, Schmerz, Trauer, Hass, Neid, Angst usw. schon mal erlebt. Das ist das Pfund, mit dem man wuchern muss. Ich denke, dass man bei den Menschen das nehmen muss, was vorhanden ist. Wichtig ist, dass sie unverklemmt, talentiert und bereit sind, und ich denke nicht, dass man da erst noch extra was zerstören muss. Man muss aufbauen und gießen.


Wie fängst Du an, mit den Leuten zu arbeiten, wenn jemand neu zu Dir kommt? Was sind die ersten Schritte?


Erst einmal sprechen wir miteinander. Ein oder zwei Stunden. Kostenlos. Stimmt die Chemie, schauen wir, wo Stärken und Probleme liegen. Dann versuchen wir gemeinsam, einen Plan zu bauen, einzelne Schritte festzulegen. Wenn jemand z.B. erst wenige Castings hatte, dann heißt das doch erst mal, dass ich mit ihm viele Fake-Castings machen muss, aus verschiedenen Genres, von Krimi bis Komödie, damit der Schauspieler einen Einblick und ein Feeling bekommt. Wenn ein Schauspieler länger nicht gedreht hat, dann schauen wir, woran liegt das: War der zu faul? Ist er zu fett geworden? Ist der nirgendwo hingegangen? Hat der die Castings verhauen? Hat der Angst gehabt? Und dann müssen wir versuchen, an diesen Dingen zu arbeiten.


Welche Methoden setzt Du ein, um dahin zu kommen? Was machst Du konkret im Coaching? Wie sieht eine Coachingstunde bei Dir aus?


Ganz unterschiedlich. Eine feste Methode in dem Sinne gibt es bei mir nicht. Kann sich jemand keinen Text merken, bringt es nichts, wenn ich ihm das immer wieder ins Gedächtnis rufe. Wir suchen einfach einen Weg, wie es ihm leichter fallen könnte. Oder wenn jemand reinkommt, der gerade einen Scheißtag hatte, dann werde ich mit dem sicher nicht die erhängten Omas spielen. Dann sehe zu, dass ich mit dem was Positives mache, um ihn von seinem negativen Film erst einmal runter zu kriegen. Eigentlich ist das immer sehr unterschiedlich. Wenn wir aber zum Beispiel abends ein Casting vorbereiten, das am nächsten Tag stattfindet, dann schauen wir konkret, wie wir uns Kraft und Zeit einteilen, um den Schauspieler vorzubereiten und nicht noch zu stressen. Ein gutes Beispiel ist „Deadline“. Da haben wir mal 2 Tage vorm Dreh 4 oder 5 Drehbücher reinbekommen haben, die schnell und intensiv vorbereitet werden mussten. In solchen Fällen steht man anders unter Zeitdruck, als wenn ich einen ausgeruhten Schauspieler vor mir habe, der ewig Zeit hat, um auf seine nächste Rolle vorbereitet zu werden. Die Frage ist immer, was gerade anliegt. Und wenn Deine Frage die Arbeit an schauspielerischen Vorgängen meint... die ist eine Sache von Inspiration, Phantasie, Fingerspitzengefühl und psychologischem Einfühlungsvermögen. Wenn man die nicht hat, versagt jede Methode. Es ist wie beim Fußball, wenn der Ball ins Tor geht, war alles richtig.


Wenn man als Außenstehender erfährt, dass Castingtexte und Castinganfragen gelegentlich erst einen Tag vorher reinkommen. könnte man denken, dass in der Branche vieles schlecht geplant ist, Wieso hat sich das eigentlich in den letzten Jahren so in diese Richtung gewandelt?


A: Da steht keine Absicht dahinter. Als wir vor Jahren mit dem Coaching angefangen haben, bekamen die Schauspieler ihre Texte immer 1bis 2 Wochen vorher, und wir haben uns aufgeregt, wenn doch mal bis zu 4 Rollen bis zum nächsten Tag abgefordert wurden. Heute sagen wir, klar machen wir, kein Problem. Ich glaube das Problem ist, dass die Gelder für die Projekte erst immer später bereit stehen. Da muss es dann eben schnell gehen.


Das heißt ja aber auch, dass für Schauspieler zeitliche Flexibilität sehr wichtig ist oder?


Vor allem die intellektuelle. Die zeitliche Flexibilität ergibt sich dann ganz von alleine. Ich versuche immer, klar zu machen, dass wir hier nicht im Klavierunterricht oder anderswo sind, der von 15:30 bis 16:00 geht. Es kann immer mal passieren, dass wir im Terminplan was umfummeln müssen, weil derjenige, der am nächsten oder noch am gleichen Tag irgendwohin muss, einfach Priorität hat. Ich habe beispielsweise Schauspieler aus Österreich, die extra angeflogen kommen, und natürlich haben die dann Vorrang. Und wenn kurzfristig ein neues Projekt reinkommt, dann muss das eben spät abends oder am nächsten Morgen ganz früh vorbereitet werden.


Wie realistisch sind denn die Chancen für Leute, die nicht aus einer Schauspielerfamilie kommen, trotzdem eine große Karriere zu machen? Du hast zum Beispiel damals David Kross für „Knallhart“ vorbereitet, der jetzt mit Kate Winslet gedreht hat. In Deutschland fällt ja immer auf, dass viele Leute wie Moritz Bleibtreu aus einer Schauspielerfamilie kommen.


Es ist ein Irrglaube, wenn jemand denkt, „Oh Gott bei dem Vater oder der Mutter wird dem Kind jetzt alles in den Hintern geblasen“. Das funktioniert so nicht. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen. Als ich zwischen 30 und 40 noch viel gedreht habe – Frauenrollen sind in dem Alter nicht gerade üppig gesät - wurde gemunkelt, bestimmt hätte mir mein Vater, Harry Kupfer, die Rollen besorgt. Mein Vater ist bei der Oper und beim Musical und macht das großartig, aber Film und Fernsehen und mir die Jobs zu besorgen, war einfach nie sein Metier. Hätte er es auch nur versucht, er hätte sich dafür verachtet – und mich mit. Trotzdem musste ich mich mit diesem Vorurteil rumschlagen, was der reine Quatsch war. Ich glaube, man muss als Kind von bekannten Schauspielern oder anderen bekannten Künstlern genauso verdammt arbeiten wie andere auch. David Kross hat keine Eltern aus der Filmbranche, Anna Maria Mühe hatte sie. Ihren Weg gehen beide.


Du bist ja Profi in Deinem Bereich und hast früher viel gedreht. Warum willst Du nicht mehr als Schauspielerin arbeiten?


Zwischen Ende Zwanzig und Ende Dreißig hab ich ziemlich viel gedreht. Die Jobs kamen über meine Agenten, und viele hab ich mir selbst besorgt. Das hat mir auch Spaß gemacht. Dann hab ich gemerkt, dass mit Ende dreißig so langsam auch die Muttirollen auf mich zu kommen. Ich selber hab keine Kinder, ich hab meine Hunde. Ich sehe mich nicht als Mutti und könnte mich mit solchen Rollen nicht identifizieren. Später habe ich gemerkt, dass sich mein Spielstil vergröbert, weil ich hier im Studio viel mit den Leuten zu reinen Demonstrationszwecken spiele. Da geht es nicht sosehr um Feinheiten sondern um rasches Verdeutlichen. Und, ehrlich gesagt, ich möchte mich auch nicht mehr unter den Druck stellen. Ich weiß, als Coach bin ich ganz gut, sonst würden nicht so viele mit mir arbeiten wollen. Aber der Gedanke mich als Schauspieler wieder aufs Tablett zu stellen und an einem Set zu sitzen und vielleicht warten zu müssen, nervt mich. Dann wäre ich zeitlich eingeschränkt und könnte nicht full time für das Coaching da sein. Das, was ich jetzt mache, tue ich gerne und mit Freude.


Was machst Du mit Leuten, die eine Rollenzusage haben und in einen Bereich rein müssen, in dem sie sich überhaupt nicht auskennen?


Das ist mein Lieblingsthema. Wenn ich jemanden spiele, der Schlittschuhlaufen muss oder Autos repariert, muss ich mich in dem Milieu umsehen. Kann ich nicht Schlittschuhlaufen, muss ich es lernen, kann ich es nicht lernen, kann ich die Rolle nicht spielen. Ich finde es immer interessant, für bestimmte Berufe oder Lebensbereiche zu recherchieren. Wir waren für konkrete Rollen mit Schauspielern im Knast, in der Kriminaltechnik beim LKA, in der Psychiatrie usw. Wir versuchen generell, aus den frischen Quellen des echten Lebens zu trinken (Polizei, Sektenbeauftrage, Drogenberatung, Weißer Ring, Ärzte, Psychologen u.v.a.). Die gesellschaftliche Realität ist reichhaltig und das echte menschliche Leben auch.


Wenn Schauspieler mit veraltetem Demo-Material zu Dir kommen, was sagst Du dann? Was ist wichtig, um heute als Schauspieler arbeiten zu können?


Das könnten die Caster sicher noch besser beantworten als ich. Deren Wände stehen voller Demo-Material. Wenn jemand zur Tür hereinkommt, dann hast Du einen spontanen Eindruck von seinem Alter, seiner Ausstrahlung, seiner Persönlichkeit. Wenn ich dann Material sehe, auf dem ich die Person gar nicht wiedererkenne, finde ich das schon sehr erstaunlich. Da wird viel erklärt und entschuldigt. Das macht die Sache nicht besser. Ich finde, das Demoband muss mit dem zu tun haben, was der Schauspieler maximal leisten kann. Wenn da alte Szenen drauf sind, in denen der Schauspieler dicker oder dünner war als heute, dann frage ich schon, warum sich das jemand ansehen soll. Ich mache selber keine Bänder, ich gebe Empfehlungen dazu und denke mir gern noch Sachen aus, wie man die Bänder verbessern könnte.


Was waren denn in der Zeit in denen Du das Coaching machst die schönsten Erlebnisse, die Dich am meisten aus der Reserve gelockt haben?


Da fällt mir die Arbeit an einer Folge von „Kommissarin Lukas“ ein. Das war mit der damals 15-jährigen Lorraine Yakubu, die dort die Hauptrolle spielte. Sie musste als Gegenpart von Ulrike Kriener in der Rolle extrem ausrasten. Lorraine spielte ein gewalttätiges afrikanisches Mädchen, das über fünfzig Straftaten begangen hat, von Raub bis schwerer Körperverletzung, in Wirklichkeit eine tragische Figur. Zuvor hatten wir hier mit Lorraine bereits ein Video für die Produktion gedreht, bei dem wir sehr an unsere Grenzen gegangen sind. Wir haben uns verständigt, dass für dieses Projekt jetzt mal der gute Geschmack fallen muss. Das ging soweit, dass sich Lorraine und ein paar Kollegen – nach Absprache – im Spiel hasserfüllt angespuckt haben. Sie hatte dann auch diesen krassen Gesichtsausdruck und ihr liefen die Tränen einer unglaublichen Wut. Die Produzentin Molly von Fürstenberg fand das Band toll, und Regisseur Thomas Berger fragte an, ob ich für einige extreme Szenen zum Set kommen könnte. Wir haben uns dann beim Catering leere Plastikflaschen und Kartons zum gegenseitigen Bewerfen geholt und sind dann in einem Nebenraum vom Set richtiggehend ausgetickt. Als Thomas uns dann ans Set geholt hat, war Lorraine bereits am Heulen. Das fanden alle für die Rolle und das Projekt sehr toll. Es gab viele solcher interessanter Sachen. Interessant ist es auch, wenn mich Schauspieler unmittelbar vorm Casting anrufen und ich sie dann noch schnell in die richtige Stimmung bringe. Eher kurios war ein Fall, wo ich quasi als Notarzt an ein Set gerufen wurde, weil sich zwei Hauptdarsteller derart in die Haare bekommen hatten, dass sie sich weigerten, weiter miteinander zu spielen und den Dreh fortzusetzen.


Und was hast du da gemacht?


Berufsgeheimnis. Aber es hat funktioniert.


Coachst Du auch am Telefon?


Nein, eigentlich nicht, gar nicht, wenn ich jemanden nicht gut kenne. Aber wenn ein Schauspieler, mit dem ich vertraut bin, gerade am anderen Ende der Welt sitzt, und er muss ein Projekt vorbereiten und hat keine Zeit, um nach Berlin zu kommen, dann lass ich mir schon mal den Castingtext oder das Drehbuch mailen, und wir machen die Vorbereitung am Telefon. Das kommt nicht oft vor, gelegentlich schon.


Welche Schauspieler stammen denn aus dem Coaching, die sich bislang schon einen Namen in Deutschland gemacht haben? Wen hast Du sozusagen auf dem Weg begleitet?


Anna Maria Mühe seit ihrem zweiten Film „Was nützt die Liebe in Gedanken“. Wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Und ich arbeite sehr gerne mit ihr, weil sie unheimlich ernsthaft ist und sich wahnsinnig gut auf die Figuren vorbereitet. Daniel Zillmann coache ich, Mirjam Weichselbraun ist seit einigen Monaten bei mir. Pia Mechler, die seit anderthalb Jahren sehr viel in London dreht, coache ich ebenfalls sowie Jonas Jägermeyer, Julia Rosa Stöckl, Tim Morton Uhlenbrock und viele weitere Schauspieler. Manche kommen auch inkognito, das respektiere ich.


Man kann ja bei Dir sowohl Einzelcoaching buchen, als auch Coaching mit anderen Kollegen. Was ist der Unterschied?


Es gibt Schauspieler, die wollen nur eins zu eins arbeiten, die wären genervt, wenn noch jemand dabei wäre. Mit denen baue ich einen Plan, wie man individuell am einfachsten und effektivsten arbeiten kann. Dann gibt es Schauspieler, die lieber mit Gegenspielpartnern arbeiten. Wir haben am Studio gute Nachwuchsschauspieler wie Robert Hofmann, Nilam Farooq, Aram Arami, Edin Hasanovic. Die drehen selbst viel, arbeiten gut, unterstützen mich und haben schon in jungen Jahren eine ziemliche Kompetenz entwickelt. Es gibt aber auch Schauspieler die gerne in einem Mix aus Einzelcoaching und Gruppencoaching arbeiten wollen. Wir sind da immer flexibel.


Das heißt, Du strickst für jeden individuell ein Paket?


Na wie gesagt, kein Klavierunterricht! Schauspieler sind Individualisten.


Es gibt ja viele Schauspielschulen und auch andere Coachingstudios. Was würdest Du sagen ist das Spezielle an Dir und Deiner Arbeit?


Erstmal bin ich der Meinung, dass man jedem, seinen Erfolg lassen sollte. Eifersucht und Neid wären keine guten Voraussetzungen für einen Coach. Ich bilde mir ein, eine sehr gute Menschenkenntnis und eine lebhafte Phantasie zu haben und kann mit meinem Älterwerden ganz gut leben. Ich will niemanden offen oder subtil für seine Jugend bestrafen. Ich freue mich mit meinen Klienten, wenn wieder ein Schritt geschafft ist. Wichtig ist ein gutes Miteinander, und ich kann mich sehr schnell auf andere Menschen einstellen. Das ist wichtig. Denn ich arbeite schnell und intensiv.


ENDE

Stephan Gabriel, Interview Unit Proud Magazine, Copyright 2009

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Das Interviews mit Kristiane Kupfer hier auch als PDF.


 
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